IN PROGRESS

DAS ILLUSORISCHE STREBEN NACH VOLLKOMMENER GLÜCKSEELIGKEIT

 

Autorenfilm/Episodenfilm/Installation

 

Produktion+Kamera: Muhamed Osmancevic // Ton: Muhamed Osmancevic // Protagonistin: Nella-Larissa Witsch // Set-Assistant: Tina Kruggel, Jasmin Weigl

Vereinfacht gesagt war der Grundgedanke, einzelne, in der menschlichen Entwicklung ausschlaggebende Phasen (von Genese zu Phantasmagorie) der ‚Achterbahnfahrt des Lebens‘ in äußerster Abstraktion zu visualisieren. Ursprünglich war das Projekt als Installation geplant, wurde im Zuge der Produktion aber auf das Medium Film verschoben, der Gedanke an eine potentielle Verwirklichung als Installation existiert aber nach wie vor. Die Titeleinblendungen waren nicht von Anfang an Teil des Konzeptes, sondern entstanden während der Postproduktion, um angesichts des Abstraktionsgrades der Einzelszenen eine höhere Verständlichkeit zu erzielen. Außerdem fungieren die Titel als Punkte eines übergreifenden Handlungsstrangs, der vermittelt in welcher Lebensphase sich der ‚Archetypmensch‘ gerade befindet. Im Folgenden werde ich nur kursorisch meine Gedanken zu jeder Phase formulieren:

• Genese: Stellt gewissermaßen die ‚Geburt‘ eines
Wesens da, in einem metaphorischen Sinne: das Gewahrwerden
einer fremden Welt, und die ersten zaghaften
Bewegungen in dieser.

• Nonchalance: Ein unbekümmertes, unbeschwertes (gedankliches)
Dasein, vielleicht vergleichbar mit unserer
menschlichen Entwicklungsphase von der Kindheit
bis zur Pubertät.

• Stagnation: Stillstand (bzw. Entdynamisierung) der
Entwicklung; das Leben wirkt überfordernd bis zur
Orientierungslosigkeit.

• Konfusion: Unzählige Faktoren führen dazu, das in
einem größtmöglichen Maße Verwirrung und Chaos im
Selbst herrschen. Konfusion kann in Verbindung mit Stagnation als Repräsentant der menschlichen Pubertät
gelten.

• Lethargie: Resultiert aus der Anstrengung der vorherigen
Phasen, der lethargische Zustand darf hier
allerdings nicht negativ gewertet werden, sondern
muss als möglicher Folgezustand und als Potential
gesehen werden.

• Assimilation: Der Begriff wurde intendiert trotz
seiner aggressiven Wirkung verwendet und deckt hier
zwei Ebenen ab: erstens die Anpassung an die bestehenden
gesellschaftlichen Normen, als eine Systemeingliederung;
und zweitens eher psychologisch, als
Flucht vor dem eigenen, auslaugenden Gedankenzirkus.
Man übernimmt bereits vorhandene, etablierte Wahrnehmungsinhalte
und -vorstellungen und reduziert so
die Anstrengungen, aber eben auch das Individuelle.
Alternativen zur Assimilation (wenn einem das Kontrollieren
der Millionen Manegen des gedanklichen
Zirkus nicht gelingt) wären im Endeffekt nur Wahnsinn
oder Suizid.

• Phantasmagorie: Hier ist die Darstellung am wenigsten
abstrakt, da unter anderem auch auf die theaterwissenschaftliche
Verwendung des Begriffs als
„künstliche Darstellung von Trugbildern“ auf der
Bühne angespielt werden soll, als Thematisierung einer
Illusion in einer Abstraktion.

• Illusion: Da Phantasmagorie als Beginn des illusionistischen
Denkens gesehen werden kann und somit
eine Art Vorstufe darstellt, ist die logische Konsequenz
nun die tatsächlich manifestierte Illusion,
die alle Bedeutungen des Begriffs abdeckt (Fremd-,
Selbst- und Sinnestäuschung). Hier wird der Projekttitel
engültig aufgegriffen, es wird fiktiv dargestellt
was tatsächlich beim Erreichen der vollkommenen
Glückseligkeit geschehen könnte, während dies
aber tatsächlich niemals Gelingen kann und das Streben
somit illusionistisch ist.

• Fiktion: stellt die nächste Stufe nach der Illusion
dar, da es nach meiner Meinung dem Menschen versagt
bleibt, einen vollkommen glückseligen Zustand
zu erreichen, bricht das Individuum nach dem Erreichen
eines solchen unter der übermenschlichen Belastung
zusammen.

Vielleicht aber gerade dieser Schwebezustand, gleichzeitig nach etwas Streben in dem (un-)bewussten Wissen es niemals erreichen zu können, ein grundsätzlicher Aspekt des menschlichen Seins, vergleichbar mit den Yin-Yang-Prinzipien. Wenn es etwas gibt, dass wert ist mit allen Mitteln angestrebt zu werden, dann ist es sicher ein Zustand der vollkommenen Glückseligkeit, selbst wenn sich dieser Zustand als unerreichbar und illusorisch herausstellt.

VOJO

DER LETZTE SEINER ART

 

Experimentelle Dokumentation

 

Produktion+Kamera: Muhamed Osmancevic // Ton: Tina Kruggel, Muhamed Osmancevic // Set-Assistant: Marlon Middeke, Nella-Larissa Witsch

Die erste Begegnung zwischen mir und dem späteren ‚Protagonisten‘ Vojislav fand ca. zwei Jahre vor dem Dreh statt, in einem bosnischen Dorf, fünf Minuten von seiner Hütte (also dem späteren Schauplatz) entfernt. Ich weiß bis heute nicht ob diese Begegnung ein glücklicher Zufall oder eher eine schicksalshafte Fügung war. Knapp ein Jahr später entdeckte ich (wieder durch Glück/Schicksal) die abseits des Dorfes gelegene Hütte, in der Vojislav wohnte. Wiederum ein Jahr später hatte sich der Gedanke endgültig verfestigt, über Vojislav und seine Lebensumstände eine Art experimentelles Portrait zu realisieren. Mehrere Faktoren erweckten mein Interesse, seine ‚entschleunigte‘ Art zu Leben zu dokumentieren, mit der Rahmenhandlung habe ich versucht, mich von Gattungskonventionen des Portraits zu lösen und die Thematik auf eine gleichzeitig persönlichere und allgemeinere Ebene zu transportieren.
Der fertige Film kann als Kritik gegen das kapitalistische System und den daraus resultierenden Lifestyle des sogenannten ‚globalen Nordens‘ gesehen werden. Anders formuliert stellt er die Frage nach einem ‚natürlichen‘ Leben und sensibilisiert für diese Thematik. Das Thema ‚Zeit‘, dass sich in Vojo auf inhaltlicher Ebene vor allem in der (im Gegensatz zu unserem Alltagserleben) extrem entschleunigten, sich der Zeit als Lebenstaktgeber entziehenden, isolierten Art der Lebensgestaltung offenbart, hat auch auf strukturell/konzeptueller Ebene des Films sowie in mehreren zentralen Symbolen eine Entsprechung.

BIH – 20 JAHRE
NACH DEM KRIEG

EINE ART BESTANDSAUFNAHME

 

mehrere Episoden/Installation/Dokumentation

 

Produktion+Kamera: Muhamed Osmancevic // Ton: Marlon Middeke, Tina Kruggel, Muhamed Osmancevic // Set-Assistant: Haris Osmancevic